In ein fremdes Land zu reisen und eine neue Kultur kennenzulernen ist ein Traum, der viele reizt. Doch wie ist es, in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten? Für sechs Monate komplett in den Alltag einzutauchen, sich Herausforderungen zu stellen, Verpflichtungen zu haben und eine Routine zu entwickeln? Online-Medien-Management-Studentin Selin Sari hat ihr Praktikumssemester in Portland, Oregon, verbracht und schildert im Folgenden ihre Beweggründe und Erfahrungen.

Warum ein Praxissemester im Ausland?

Fremdsprachenkenntnisse verbessern, interkulturelle Kompetenzen entwickeln und sich einen Wettbewerbsvorteil bei der späteren Jobsuche schaffen – von alldem kann ein Studierender durch ein Praktikum im Ausland profitieren. Abgesehen davon besteht die Chance, eine Festanstellung in der Praktikumsfirma zu erreichen, sofern der Wunsch vorliegt, im Ausland Fuß zu fassen. Mir zum Beispiel hat meine Praktikumsstelle so gut gefallen, dass ich zurzeit von Deutschland aus immer noch für das Unternehmen arbeite und beabsichtige, meine Bachelorthesis dort zu schreiben. Neben der professionellen Entwicklung hilft die Arbeit im Ausland auch bei der persönlichen Entwicklung.

Wie läuft die Stellensuche ab?

Zunächst einmal ist die Planung und Vorbereitung das A und O bei der Suche nach und Bewerbung um einen Praktikumsplatz. Empfehlenswert ist es, so früh wie möglich mit dem Prozess zu beginnen. Ich persönlich hatte sechs Monate für den Bewerbungsprozess eingeplant. Es kann von Vorteil sein, dem Familien- und Freundeskreis sein Interesse mitzuteilen und ebenfalls mit Kommilitonen und Professoren darüber zu sprechen – vielleicht haben sie Kontakte zu ausländische Unternehmen. Für mich war das Akademische Auslandsamt eine tolle Anlaufstelle, da die Mitarbeiterinnen einige Informationen zu diesem Thema haben und mir beim Bewerbungsprozess behilflich waren. Außerdem gibt es online Praktikumsbörsen, bei welchen auch Stellen im Ausland aufgelistet sind. Zudem gibt es Organisationen, die (meist gegen Bezahlung) bei der Praktikumsvermittlung unterstützen. Wer ein Unternehmen ins Auge gefasst hast, kannst auch Eigeninitiative ergreifen und eine E-Mail-Anfrage schicken. Wer zum Beispiel aufgrund eines Auslandssemesters bereits vor Ort ist, kann auch mit Hilfe der Universität nach einer Stelle suchen. So war ich im Semester vor meinem Praxissemester an der Portland State Universität. Diese hat eine interne Stellenbörse, in welcher einige Praktikumsstellen aufgelistet waren. Ich bin allerdings durch einen Marketing-Kurs an meine Praktikumsstelle gekommen. Der Marketingmanager meines Praktikumsbetriebs kam zu uns in den Unterricht und erzählte von dem Unternehmen und der offenen Position, woraufhin ich meine Bewerbung herausschickte. In den USA wird die Karriereplattform LinkedIn vermehrt genutzt, daher ist es meiner Meinung nach auch sinnvoll, sein LinkedIn-Profil zu aktualisieren, sich offene Stellen anzuschauen und bei Interesse zu bewerben.

Wie sieht der Bewerbungsprozess aus?

Der Bewerbungsprozess im Ausland kann sich von dem in Deutschland unterscheiden, weshalb es wichtig ist, sich vorher über landesspezifische Eigenheiten zu informieren. Im Intranet der HdM gibt es eine wertvolle Sammlung an Bewerbungstipps mit beispielhaften Lebensläufen, Anschreiben und Referenzen sowie Informationen zum Arbeitsvertrag. Grundsätzlich empfiehlt sich auch bei Auslandsbewerbungen, nicht immer dasselbe Bewerbungsschreiben zu verwenden, sondern es auf das Unternehmen und die Stelle anzupassen. Ist die Bewerbung abgeschickt und eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhalten, geht es an die Vorbereitung. Es ist wichtig, sich gut über das Unternehmen zu informieren und zu überlegen, warum der Wunsch besteht, das Praktikum ausgerechnet in diesem Unternehmen zu absolvieren. Mir hat es geholfen, mir bereits im Vorfeld Gedanken über mögliche Fragen und meine Antworten im Bewerbungsgespräch zu machen und die Situation mit einem Familienmitglied oder Freund/in durchzuspielen. So bin ich bei meinem letzten Interview viel selbstbewusster aufgetreten und fand schneller Antworten auf die gestellten Fragen.

Was gibt es für Fördermöglichkeiten?

Ich hatte Glück mit meinem Praktikum, da ich für die geleistete Arbeit bezahlt wurde. Jedoch ist es nicht die Norm, dass Praktika in den USA bezahlt werden. Um den Auslandsaufenthalt dennoch finanzieren zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Auslands-BAföG, ein Stipendium oder Bildungskredite. Ich hatte vor meinem Praxissemester zwei Auslandssemester in den USA absolviert und glücklicherweise finanzielle Unterstützung durch das Baden-Württemberg Stipendium bekommen. Abgesehen davon habe ich auch einen Bildungskredit aufgenommen, da die Lebenserhaltungskosten in den USA relativ hoch sind.

Persönliches Fazit

Mein Praktikum im Ausland zu absolvieren, war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, die mir nicht nur ermöglicht hat, mein im Studium erlerntes theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen, sondern auch internationale Arbeitserfahrungen zu sammeln und meine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Ich habe gelernt, sowohl selbstständig als auch in einem multi-kulturellen Team zu arbeiten. Zudem habe ich wertvolle Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen können. Ich würde jedem empfehlen, sein Praxissemester im Ausland zu absolvieren – selbst wenn das Vorhaben, später im Ausland zu arbeiten, nicht besteht. In einem anderen Land zu leben ermöglicht es, den eigenen Horizont zu erweitern, neue Menschen und eine neue Kultur kennenzulernen und unabhängiger, sowie anpassungsfähiger zu werden.

/SS

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