Während uns OMM-Studentin Anna-Lena Geßler Anfang Oktober bereits zehn Fakten über Land und Leute in Kanada zusammengefasst hat, liegt der Fokus im folgenden Interview auf ihrer Studienzeit an der Ryerson University Toronto. Sie beantwortet unter anderem, wie ihr Studienalltag aussieht, welche Fächer sie in ihrem Auslandssemester belegt und welche Unterschiede zur Hochschule der Medien (HdM) deutlich werden.

Welche Kurse belegst du an der Ryerson University?

“Ich belege zum einen den Kurs Emerging Media Markets und Entrepreneurship, in dem wir in Dreiergruppen unsere eigene innovative und disruptive Technologie entwickeln, die wir am Ende des Semesters anhand eines eigenständig gedrehten Imagefilms präsentieren.

Darüber hinaus habe ich den Kurs Social Media gewählt. Hier entwickelt jeder Student eine Persona, die auf vier sozialen Netzwerken präsent sein muss. Über das gesamte Semester pflegen wir die Kanäle und stellen am Ende unsere dokumentierten Erkenntnisse vor. Wer sehen möchte, wie ich diese Aufgabe umsetze, kann mir zum Beispiel auf meinem Instagram Account @wetorunto folgen.

Der dritte Kurs nennt sich Video Compositing and Special Effects. Hier erlernen wir das Programm Adobe After Effects und setzen damit verschiedene Aufgaben um.

Schließlich belege ich die Vorlesung Multi-Plattform Narrative. Hier erfahren wir, wie Storytelling am besten für verschiedene Plattformen und Kanäle geeignet ist und zeigen unser Wissen im Rahmen eines Gruppenprojektes.”

 

Welches Projekt bereitet dir am meisten Freude?

“Das Social Media-Projekt macht am meisten Spaß! Natürlich ist es mit viel Aufwand verbunden, aber ich finde es gut, dass die Umsetzung individuell gestalten werden darf und es keine einschränkenden Vorschriften gibt. Zudem gefällt mir, dass man sich auf den Kanälen nicht privat zeigen muss, wenn man das nicht möchte und trotzdem bekommen auch alle diejenigen, die privat keinen eigenen, aktiven Social Media-Account betreiben, einen guten Einblick in die Materie. Es ist sehr spannend das Verhalten der Follower zu dokumentieren und zu analysieren, um daraus später abzuleiten wie am besten viele Follower generiert werden können.”

 

Gibt es viele internationale Studenten, oder bist du eine Ausnahme in deinen Kursen?

“Mir kommt es vor als gäbe es sehr viele Internationals an der Ryerson University. Allerdings sind viele im Business Programm eingeschrieben und weniger in meinen Fächern. In meinen Kursen sind nur drei bis vier Austauschstudenten bei einer Kursgröße von circa 30 Teilnehmern. Die Kanadier freuen sich allerdings sehr, wenn Internationals in ihrem Kurs sind, da das gerade in meinem Studienbereich nicht so häufig vorkommt.

Im Wohnheim gibt es dafür viele internationale Studenten. Dabei ist es nicht so leicht einzuschätzen, wer tatsächlich ein Auslandssemester belegt und wer für das ganze Studium hergekommen ist und dauerhaft hier wohnt.

Im Allgemeinen sind in Toronto viele verschiedene Kulturen vertreten und dieser internationale Aspekt ist ein weiterer Grund, warum es mir hier besonders gut gefällt.”

 

Wie sieht dein typischer Studienalltag aus?

“Mein Studienalltag ist etwas unregelmäßig. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag habe ich Vorlesungen. An den anderen Tagen stehen viele Gruppentreffen für Projektarbeiten an. Ich wohne direkt im Wohnheim neben dem Campus und habe es daher nicht weit zur Uni. Der Campus liegt dabei in Downtown zentral und erstreckt sich auf einer sehr großen Fläche. Obwohl sogar Straßen durch den Campus führen, kommt trotzdem ein tolles Campus-Feeling auf. So wie viele andere Studenten halte auch ich mich entweder im Park oder im Student Learning Center auf. Das kann man sich so wie die Lernwelt an der HdM vorstellen – nur, dass die Fläche ungefähr drei Mal so groß ist und sich das ganze Gebäude über acht Stockwerke erstreckt. Zudem gibt es einen Campus-Store mit Uni-signierten Pullovern und Schreibwaren, eine Bibliothek, einen Copyshop und einen Supermarkt, in dem die Studenten an drei Tagen pro Woche 10 Prozent Rabatt auf ihren gesamten Einkauf bekommen. Die beliebten Cafés Starbucks und Tim Horton dürfen natürlich auch nicht fehlen.”

 

Welche Unterschiede kannst du zur HdM erkennen?

“Zum einen ist das Verhältnis zwischen den Professoren und Studenten hier in Toronto ganz anders als zuhause an der HdM. Es ist viel persönlicher und direkter; wobei es vollkommen normal ist, die Professoren zu duzen.

Die Gruppenarbeiten laufen hier auch etwas anders ab, als ich es gewohnt bin. Viele Absprachen werden über Facebook gehandhabt, da fast alle Studenten aufgrund des teuren Studiums einen Nebenjob haben und dadurch eingespannt sind. Leider kommt deshalb häufig keine gute Gruppendynamik auf, bei der gemeinsam überlegt und diskutiert wird.

Mit wöchentlichen Abgaben in verschiedener Form wird auch das Wissen an der Ryerson University anders als an der HdM abgefragt: In den unteren Semestern sind dies häufig Hausaufgaben; in meinem Fall handelt es sich um Projekt-Assignments wie beispielsweise Video-Abgaben.

Für mich ist auch die Größe der Uni mit 38.000 Mitstudenten und zwölf statt drei Gebäuden umwerfend!

Darüber hinaus unterscheidet sich der Aufbau des Stundenplans: Jede Vorlesung geht hier drei Stunden und es gibt keine einheitlichen Pausenzeiten, da jeder Kurs zu einer unterschiedlichen Zeit anfängt. Auch die Willkommenswoche zu Semesterbeginn wird hier in Toronto aufwändig organisiert: Jeden Tag gibt es andere Aktionen oder Essenstände mit kostenlosem Essen, um die neuen Studenten zu begrüßen und das Gemeinschaftsgefühl zu fördern.”

 

Gibt es Freizeitangebote von der Uni, an denen du teilnimmst?

“Es gibt unglaublich viele Angebote – sowohl für sämtliche Sportarten als auch alle anderen Formen von AGs. Die Sportteams sind ähnlich wie ein einen Verein in Deutschland organisiert. Dabei geht es aber nicht nur um Sport, sondern vor allem auch um die Gruppendynamik und den Teamspirit. Es gibt in manchen Sportarten so etwas wie Aufnahmerituale und natürlich wird gegen die anderen Unis im Wettbewerb angetreten. Bekannt für die Ryerson University ist das Eishockey Team. Spiele dieses Teams sind unglaublich beliebte und gut besuchte Events!

Zudem gibt es zwei Fitnessstudios auf dem Campus, in denen für 45 Dollar im Semester täglich von 5.00 Uhr bis 23.00 Uhr trainiert werden kann. Die Studios verfügen über eine sehr gute Ausstattung und bieten viele Kurse wie beispielsweise Yoga, HIIT und Spinning an. Auch ich bin hier angemeldet und finde dort meinen perfekten Ausgleich zur Uni.”

 

Werden Events für die internationalen Studenten organisiert?

“Ja, hier gibt es das Ryerson Student Exchange Committee (RYSEXC), das man sich wie das Buddy-Programm an der HdM vorstellen kann. Es gibt sogar eine eigene Zeitung des RYSEXCs und es werden verschiedene Trips organisiert, zum Beispiel zu den Niagarafällen oder nach New York. Das Ganze ist sehr preiswert und natürlich eine unglaublich schöne Möglichkeit, das Land gemeinsam mit anderen internationalen Studenten kennenzulernen.”

/AB

Bildquelle:

A.-L. Geßler